Kommunen machen Klima

Good-Practice Beispiele

Beispiele aus der Praxis - Was passiert bereits in Deutschland zu den Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung? Die Best Practice-Reihe "Kommunen Machen Klima" erscheint im Rahmen des Kommunalen Klimapakts Rheinland-Pfalz (KKP). Sie wird gemeinsam von Ministerien, Landkreistag, Städtetag, Gemeinde- und Städtebund, der Energieagentur RLP und dem Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen RLP erstellt.

Stadtgrün gegen Hitze: Wie gut erreichen Ingelheimer kühlende Oasen?

Das Bild zeigt eine Karte von Ingelheim mit der Grünerreichbarkeit
Erreichbarkeitskarte Ingelheim

 

Wie gut erreichen Bürger*innen kühlende Grünflächen im Alltag? Diese Frage gewinnt mit zunehmenden Hitzeperioden und steigender thermischer Belastung in urbanen Gebieten immer mehr an Bedeutung. Die Stadt Ingelheim am Rhein hat sich deshalb im Rahmen der Stadtklimaanalyse - Projekt „KlimaPraxIng“- unter anderem intensiv mit der Rolle von Stadtgrün für Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und Gesundheit beschäftigt und zeigt beispielhaft, wie datenbasierte Analysen Kommunen bei der klimaangepassten Stadtentwicklung unterstützen können. Gleichzeitig eröffnen neue landesweite Datengrundlagen in den „Kartenwerken Klimaanpassung Rheinland-Pfalz“ nun erstmals allen Kommunen im Land die Möglichkeit, Analysen der Grünerreichbarkeit durchzuführen.

Stadtgrün als zentrale Infrastruktur der Klimaanpassung

Städtische Grünflächen übernehmen heute weit mehr Funktionen als reine Gestaltungselemente. Sie wirken als klimatische Ausgleichsräume, verbessern die Aufenthaltsqualität, fördern Biodiversität, können einen Beitrag zur Schwammstadt leisten und unterstützen die Gesundheit der Bevölkerung.

Besonders in dicht bebauten Quartieren können Grünflächen durch Verschattung, Verdunstungskühlung und Schadstoffbindung erhebliche Beiträge zur Minderung sommerlicher Hitze und zur Gesundheitsförderung leisten. Untersuchungen der Technischen Hochschule Bingen in den Städten Ingelheim und Bingen zeigen deutlich, dass vegetationsreiche Flächen niedrigere Oberflächentemperaturen und günstigere mikroklimatische Bedingungen aufweisen als stark versiegelte oder schotterdominierte Flächen.  

Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden unterschiedliche Grünflächentypen, wie Wiesen, Staudenflächen, Rasenflächen sowie Schotter- und Mineralmulchflächen hinsichtlich Mikroklima und Biodiversität verglichen. Die Ergebnisse bestätigen die wichtige Rolle vegetationsreicher und beschatteter Flächen für die Klimaanpassung im urbanen Raum.

Von der Grünflächenanalyse zur Grünerreichbarkeit

Während viele Kommunen bereits Grünflächen erfassen, rückt zunehmend eine neue Fragestellung mit dem Blick auf soziale Gerechtigkeit in den Fokus: Wie gut sind klimatisch wirksame Grünflächen tatsächlich für jeden Menschen erreichbar? Ingelheim zeigt beispielhaft, wie sich die fußläufige Erreichbarkeit von Sitzmöglichkeiten in Parks, auf Friedhöfen und Spielplätzen analysieren lässt. Mithilfe einer wege- und straßengebundenen Netzwerkanalyse im Geoinformationssystem wurde untersucht, aus welchen Bereichen der Stadt Menschen zu Fuß innerhalb von einer, drei oder fünf Minuten Zugang zu Grünanlagen mit Sitzgelegenheiten haben. Unterschiedliche farbliche Abstufungen visualisieren die jeweilige Erreichbarkeit dieser als lokalklimatische Ausgleichsflächen definierten Orte. Dabei wurde bewusst eine geringe Gehgeschwindigkeit von 3 km/h angenommen, um beispielsweise Bevölkerung mit eingeschränkter Mobilität sowie Wartezeiten an Ampeln zu berücksichtigen.

Die Analyse erlaubt die Identifizierung von Quartieren, die keine ausreichende fußläufige Erreichbarkeit von Grünflächen mit Sitzgelegenheit bieten. Somit erleichtert sie zukünftig, Begrünungsmaßnahmen gezielt zu priorisieren und eine sozial gerechte sowie klimaangepasste Siedlungsentwicklung zu fördern.

Neue Datengrundlagen für alle Kommunen in Rheinland-Pfalz

Über die Ergänzung „Grünzugang“ in den Kartenwerken Klimaanpassung des Landesamtes für Umwelt und des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen können nun alle Kommunen Analysen zur Entfernung von Siedlungsbereichen zu beschatteten Grünflächen durchführen. Die Karten zeichnen jene Bereiche aus, deren Entfernung mehr als 250 Meter Luftlinie zur nächsten beschatteten Grünfläche beträgt. Damit werden räumliche Defizite sichtbar, bei denen insbesondere an heißen Tagen keine nahe Erreichbarkeit zu klimatisch entlastendenden Grünräumen gegeben ist.

Die Karte zeigt die Grünzugangskarte der Stadt Mainz

Die neuen Auswertungen eröffnen Städten und Gemeinden vielfältige Möglichkeiten für die strategische Klimaanpassung. Kommunen können beispielsweise hitzebelastete Quartiere mit geringer Grünerreichbarkeit identifizieren und Prioritäten für Begrünungsmaßnahmen ableiten. Auch für die Planung neuer Aufenthaltsflächen oder die Vernetzung bestehender Grünräume kann die Analyse dienen. Gerade kleine und mittlere Kommunen profitieren davon, dass die Datengrundlagen ohne eigene umfangreiche Datenerhebung genutzt werden können. Die Kartenwerke Klimaanpassung ermöglichen es Kommunen, komplexe klimatische Zusammenhänge verständlich und räumlich nachvollziehbar darzustellen. Damit liefern sie eine wichtige Grundlage für klimaangepasste und gesundheitsfördernde Stadtentwicklung in Rheinland-Pfalz.

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