Verhalten und Interaktionen
In unseren Ökosystemen sind viele Arten zeitlich aufeinander abgestimmt. So fällt beispielsweise der Schlupf von Insekten mit dem Blattaustrieb oder der Blüte bestimmter Arten zusammen, die als Nahrungsquelle oder Entwicklungsgrundlage dienen (beispielsweise Eichenprozessionsspinner und Eichenblätter). Die Zunahme der Temperatur bewirkt eine zeitliche Verschiebung dieser Entwicklungs- und Aktivitätsphasen von Pflanzen und Tieren. Da die zeitlichen Reaktionen auf Erwärmung nicht bei allen Arten gleich ausgeprägt sind, kann es zu einer Entkopplung von Interaktionen oder veränderten Konkurrenzverhältnissen kommen. Beispielsweise können früher austreibende Arten gegenüber später austreibenden Vorteile haben. Dies kann die Stabilität von Artengemeinschaften beeinträchtigen.
Veränderung der Pflanzenphänologie kann bereits deutlich beobachtet werden

Phänologie beschreibt jährlich wiederkehrende Ereignisse im Lebenszyklus von Tieren und Pflanzen. Beginn und Länge phänologischer Jahreszeiten wird z. B. anhand bestimmter Entwicklungszustände definiert, wie der Blüte, dem Blattaustrieb oder der Fruchtbildung ausgewählter Arten. Die phänologischen Jahreszeiten unterscheiden sich zwischen Kulturpflanzen, Wildpflanzen und Waldbäumen. Die Abbildung zeigt die Verschiebung der Vegetationszeit für Wildpflanzen in Rheinland-Pfalz. Dabei beginnt die Blüte im Durchschnitt früher und die Vegetationsruhe später im Jahr. Diese Veränderung ist mit Hilfe der beiden Ringe der phänologischen Uhr veranschaulicht. Der äußere Ring zeigt das Mittel 1996-2025 und der innere Ring die Referenzperiode 1961-1990. Deutlich ist zu sehen, dass der phänologische Frühling (grün) in jüngster Vergangenheit im Mittel bereits 5 Tage eher einsetzt, sowie der phänologische Herbst im Mittel 3 Tag später endet. Das führt zu einer verkürzten Vegetationsruhe (blau). Für Rheinland-Pfalz hat sich so z. B. die Vegetationsruhe von 136 auf 128 Tage verkürzt.
Die längere Vegetationszeit führt unter anderem dazu, dass Pollen länger fliegen und wärmeliebende Arten zur Samenreife gelangen, die sich früher nicht über Samen vermehren konnten. Ein Beispiel dafür ist die Beifuß-Ambrosie, deren Pollen hochallergen sind und erst spät im Jahr fliegen, so dass die Pollensaison zusätzlich verlängert wird.
Phänologische Uhr der Wildpflanzen
für Rheinland-Pfalz und die Naturräume
Die phänologischen Beobachtungsdaten werden vom deutschen Wetterdienst bereitgestellt und vom LfU Ref 6.1 aufbereitet. Die Phasen Stieleiche (Blattfall) und Rotbuche (Blattfall) liegen nicht vor 1991 vor. Um dennoch die phänologische Uhr darstellen zu können, werden diese Phasen mit Hilfe der klimatologischen Änderung (1991-2020) zwischen Blattverfärbung und Blattfall extrapoliert.














